Corona-Modus: Wenn die digitale Kür plötzlich zur Pflicht wird

Corona-Modus und digitale Bildung

Fast alles ist zurzeit anders. Manches kam ziemlich plötzlich. Einiges war vielleicht schon etwas länger absehbar. Zusammengefasst: Wir befinden uns im Corona-Modus. Egal ob wir einkaufen, fernsehen oder arbeiten – Corona ist inzwischen leider allgegenwärtig. „Social Distancing“ sorgt für ungeahnte Probleme aber auch für erstaunliche Phänomene.

Von der Kür zur Pflicht: Videochat und E-Learning plötzlich unverzichtbar

Seit Montag, 23.03.20,  herrscht starke Kontaktbeschränkung unter anderem in Niedersachsen. Als Eltern von zwei Kindern geht es nicht spurlos an uns vorbei, dass seit über einer Woche weder Schule noch Kindergarten stattfindet. Auch dass wir uns nicht mal eben mit Großeltern und Freunden treffen dürfen, ist nicht immer einfach – wo es doch vor Corona so selbstverständlich war. Noch vor wenigen Tagen hätte ich nicht gedacht, dass Videochat über z.B. Facetime so wichtig werden könnte in unserem Leben. Es war zwar manchmal ganz schön, sich kurz digital treffen zu können, aber die Bedeutung ist inzwischen eine ganz andere.

Ähnlich verhält es sich mit digitalen Lösungen im E-Learning, um Lehre und Lernen für Studierende trotz untersagter Präsenzlehrveranstaltungen zu ermöglichen. E-Learning war bis vor kurzem oft nur eine zusätzliche Ergänzung der Präsenzlehre und „nice to have„. Jetzt ist E-Learning Pflicht, es geht nichts mehr ohne – ein „must have„. Auch hier haben sich die Wertigkeiten, wie sicher noch in  vielen anderen Bereichen,  stark verschoben.

Digitale Bildung im Aufwind

Seit über einer Woche sind unsere Hochschulen und Unis geschlossen. Die Lehre wurde an der Hochschule Hannover zum Beispiel so gut wie möglich in die Online-Welt verlagert. Dabei werden von Kolleg*innen und Studierenden innerhalb kürzester Zeit unterschiedlichste digitale Werkzeuge eingesetzt und erprobt, um Lernen und Kommunikation auf Distanz zu ermöglichen. Es findet reger Austausch über Erfahrungen mit z.B. Moodle, Slack,  Zoom, Jitsi, BigBlueButton oder Google Hangouts statt.

Nicht immer läuft alles reibungslos. Hier und da kommt es zu Performance-Problemen insbesondere bei Web-Conference-Diensten wie BigBlueButton oder Adobe Connect (DFN), da die bereitgestellten Lösungen nicht für die plötzlich auftretende Last ausgelegt sind.  Aber auch damit wird bei uns im Studiengang Informationsmanagement und an der Hochschule Hannover pragmatisch und souverän umgegangen, indem z.B. alternative, digitale Lösungen für den eigenen Zweck angepasst und ausprobiert werden. Ein Beispiel ist die Nutzung von Twitch für das Streamen von Vorlesungen, obwohl es eigentlich überwiegend von der Gaming-Szene genutzt wird. Auch Discord wird jetzt erfolgreich in der Lehre eingesetzt, obwohl es ein Sprach- und Textchat für Gamer ist.

Das E-Learning Center (ELC) und die IT der Hochschule Hannover leisten großartige Arbeit bei der Unterstützung von Lehrenden und Studierenden in dieser außergewöhnlich schwierigen Zeit. Gerade fragt das ELC z.B. Stoßzeiten für Webinar-Dienste in Moodle ab, um den Lastsspitzen besser begegnen zu können oder sie über bessere zeitliche Verteilung zu vermeiden. Nach und nach wird im Hintergrund die Gesamtkapazität optimiert.

Auf unserem QpLuS-IM-Blog führen wir ein Tagebuch zur Online-Phase im Corona-Modus, in dem wir unsere Erfahrungen und Erkenntnisse kurz zusammen fassen.

Neben all den leider auch langfristig destruktiven Konsequenzen, die Corona sicher mit sich bringt, erlebt die digitale Bildung gerade enormen Aufwind. Hoffentlich entstehen aus der Corona-Krise zumindest auf lange Sicht noch weitere kreative und experimentierfreudige Entwicklungen.

Wertigkeiten vor und nach Corona

Neulich habe ich irgendwo in der gerade von Covid-19 beherrschten Medienwelt aufgeschnappt, dass es später ein „vor und nach Corona“ in der Zeitrechnung  geben wird. In Anbetracht der massiven und vorher nie da gewesenen Ereignisse klingt das leider nicht mehr so abwegig wie noch vor ein paar Wochen.

Wertigkeiten verschieben sich nicht nur in Hinsicht auf E-Learning oder die Nutzung digitaler Technologien. Als selbstverständlich erachtete Dinge des Alltags wie gemeinsame Ausflüge, einkaufen, Spielplatz- oder Clubbesuche gewinnen gerade eine ganz andere Bedeutung als vor Corona. Spannend bleibt, ob diese neue Wertigkeit der Dinge auch nach Corona noch anhält und welche Auswirkungen uns langfristig erhalten bleiben. Vielleicht nutzen wir aus der Not entstandene Lösungen auch nach Corona genauso weiter, wenn z.B. Webinare oder Meetings über BigBlueButton (BBB) und Moodle einfach gut funktionieren?

Ich freue mich auf jeden Fall über die neue Wertigkeit, die digitalen Technologien in Privatleben und Bildung jetzt zukommt. Selbst etwas geschockt davon, habe ich gerade festgestellt, dass ich mich jetzt schon seit über 15 Jahren mit E-Learning befasse. Wir haben es nicht immer so genannt. Manchmal hieß bzw. heißt E-Learning auch Distance Learning, Telelearning, Wissens- und Lernmanagement oder Educational Technologies. Jetzt können wir zusätzlich auch gern von Neuem Lernen oder Digitaler Bildung sprechen. Die Grenzen sind meist fliessend. Es muss nicht immer alles neu sein, um aktuell seinen Zweck gut zu erfüllen.

Lassen Sie uns das individuell Beste aus dem Corona-Modus machen. Etwas anderes bleibt uns ohnehin nicht übrig.

Hilfreiche Links zu digitaler Lehre im Corona-Modus

A Comprehensive List of 53 Interactive Video Software Tools and Platforms, hihaho.com, letzter Aufruf: 25.03.2020, aktualisiert: 12.11.2019.

Womit sich Veranstaltungen gut online umsetzten lassen – eine Toolsammlung, Hochschulforum für Digitalisierung, letzter Aufruf: 25.03.2020, aktualisiert: 24.03.2020.

Aktuelle Infos zum digitalen Lehrbetrieb an der Hochschule Hannover, E-Learning Center (ELC), letzter Aufruf: 25.03.2020, aktualisiert: 24.03.2020.

Selbstgesteuert und digital Lernen: Studentische Ergebnisse zu Medieninformatik im WebLab

Weblab Hsh

Als Lehrende – eigentlich egal ob an Schulen, Hochschulen oder in der Weiterbildung – kennen Sie das Problem vielleicht auch, dass einige Ihrer Schützlinge mit großer Begeisterung wunderbare Ergebnisse erzielen. Das können z.B. sehr gute Hausarbeiten, Referate, Abschlussarbeiten oder sonstige Prüfungsleistungen sein.

Schade nur, dass die guten Ergebnisse von Studierenden oder Schüler*innen meistens nach ihrer Bewertung in irgendeiner Schublade verschwinden und nie wieder Beachtung finden, oder?
Oft wird es auch erst richtig spannend, wenn z.B. eine Bachelorarbeit abgeschlossen ist, wie es danach damit thematisch weitergehen könnte.

Das Web-Engineering-Labor (WebLab) im Studiengang Informationsmanagement der Hochschule Hannover hat sich diesem Problem angenommen. Seit 2017 werden jedes Semester fortlaufend Prüfungsleistungen im Bereich Web- und Multimediaentwicklung mittels eines WordPress-Blogs veranstaltungsübergreifend zusammengeführt und gemeinsam mit Studierenden weiterentwickelt.

Studentische Ergebnisse sichtbar machen

Das WebLab ermöglicht die Sichtbarmachung von innovativen und interessanten Prüfungsleistungen sowie die Realisierung studentischer Projektideen.

Es ist eine bündelnde Möglichkeit entstanden, sich generell mit aktuell herausfordernden Themen und Technologien im Bereich Web-Engineering über den Rahmen der Lehrveranstaltungen oder einzelner Semester hinaus auseinander zusetzten.

Synergien zwischen Lehre und Forschung entstehen, indem Studierende als Tutor*innen in der Lehre und an wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema Web-Engineering im Rahmen von z.B. Abschlussarbeiten oder Publikationen beteiligt werden. 

Medienkompetenz und Portfolio

Medienkompetenz wird durch das WebLab im Studiengang Informationsmanagement  gefördert, indem die Studierenden ihre Ergebnisse selbst als webbasiertes, digitales Format in WordPress veröffentlichen. Der veröffentlichungsfähige WordPress-Beitrag der Studierenden wird als ein Teil der Prüfungsleistung mit bewertet. Ab einer Gesamtnote von 1,5 und besser steht er nachfolgenden Jahrgängen sowie weiteren Interessierten als Best-Practice-Beispiel für selbstgesteuertes Lernen im Web frei zugänglich zur Verfügung. Die Studierenden werden natürlich vorher gefragt, ob sie der Veröffentlichung auch zustimmen. In Hinsicht auf den Ausbau eines studienbegleitenden Web-Portfolios kommunizieren wir die Veröffentlichung allerdings als sehr sinnvoll – auch bei späteren Bewerbungen.

Ziel des WebLabs ist zusammengefasst die Bündelung, Förderung und Weiterentwicklung studentischer Ergebnisse aus und in Lehrveranstaltungen, Praktika und Abschlussarbeiten zum Thema Web- und Multimediaentwicklung im Studiengang Informationsmanagement.

Aktuell befasst sich das Weblab mit Themen wie z.B. Progressive Web Apps (PWA), Webanimation, interaktiven Infografiken und Storytelling, Erklärvideos, Online-Spielen, Gamification und HTML5.

Mehr zu den Projekten im WebLab finden Sie hier.

WebLab macht QpLuS – Qualität pro Studium und Lehre

Seit diesem Jahr ist das WebLab am durch das MWK geförderten Projekt QpLuS IM  – „Komm Se digital lernen beteiligt, um selbstgesteuerte Lern- und Prüfungsszenarien samt Blended-Learning im Studiengang Informationsmanagement weiter voranzutreiben und langfristig zu etablieren.